Der Klostergarten

Spiritwalk vom 12.08.2011

Tagesthema

Der Klostergarten – wo finde ich meine Bodenhaftung

Werfen wir einen Blick in den Garten. Dabei wird deutlich, dass wir Teil der Schöpfung sind und manchmal deren Schöpfer. Unser Körper, unsere Triebe, das ganze Wesen verweisen uns darauf. Wie in der Natur, so sind auch wir Wachstumsprozessen unterworfen. Daher braucht es Brachzeiten, in denen wir uns regenerieren, aktive Zeiten, in denen wir unsere Lebensfelder bestellen und Zeiten des geduldigen Wachstums bis zur zeit der Ernte und Erholung. Wie der Landwirt, brauchen auch wir einen wachen Blick, wann in unserem leben der rechte Zeitpunkt für die entsprechende Aktion gegeben ist.

Der Besuch von Garten und Landschaft erinnert uns daran, dass wir Menschen nicht alles können und nicht alles in unserer Hand liegt. In einer Gesellschaft, in der alles machbar erscheint, fällt uns das häufig schwer. Daher ist es wichtig Erdverbundenheit und Bodenhaftung nicht zu verlieren. Fragen wir uns selbst, wo uns Traumbilder von der Wirklichkeit wegziehen oder Selbstüberschätzung uns „abheben“ lässt, sodass es zu Fluchtbewegungen kommt. Ebenso dürfen wir dankbar sein für Bodenbeständigkeit.

Dazu gehört, dass wir sensibel und verantwortungsvoll mit unseren Trieben umgehen. Extreme führen in die Sucht und zur Selbstentfremdung. Weder Nachgiebigkeit noch Unterdrückung sind gesund und dienen dem Leben. Vielmehr bleibt die Triebsteuerung ein lebenslanger Lernprozess, der unterschiedliche Phasen kennt. Hier kann ein Blick in die Natur helfen. Im Wechsel der Jahreszeiten hat alles seine Zeit.

Wachsen und Reifen brauchen Geduld. Letztere ist auch im Umgang mit unseren Schwächen und Defiziten gefordert, wie im Garten mit der Unkrautbekämpfung. Jeder Gärtner weiß, dass eine Tomate in den Seitentrieben gekürzt werden muss um die Pflanze zu stärken, damit sie reiche Frucht zu tragen kann.

Die Annahme unseres Selbst, mit unseren Schwächen ist die Voraussetzung dafür, ebenso andere mit ihren Schwächen annehmen zu können. Gelassenheit, die beides bis zur Ernte wachsen lässt ist Ausdruck von Demut und Vertrauen.

Der Weg durch den Garten zeigt, das wir die Güter der Schöpfung nutzen dürfen. Dabei sollten wir mit ihnen verantwortungsbewusst, solidarisch und maßvoll umgehen. Nachhaltigkeit im Blick auf künftige Generationen wir zum Schlüsselbegriff. Dafür gilt es sensibel und wach zu bleiben, indem wir durch verantwortungsbewussten Umgang mit den Gütern der Erde dem Zukünftigen dienen.

 

Punkta

  • Wo finde ich meine Bodenhaftung?
  • Fliehe ich vor der Realität in Träume oder stehe ich auf dem Boden der Wirklichkeit?
  • Wie gehe ich mit meinen Trieben um?
  • Was weiß ich von meinen Fehlern und Schwächen?
  • Kann ich wachsen lassen? Habe ich Geduld mit mir und anderen?
  • Wo habe ich die notwendige Gelassenheit, wenn ich etwas nicht ändern kann?
  • Habe ich Zeiten der Generation?
  • Denke ich an die nach mir kommenden Generationen?

Tagesmärchen

Frag die Grünwarenfrau!

Da war eine alte Mohrrübe drin,
so knollig, so dick und so schwer,
die hatte gar einen gefährlichen Sinn,
sie wünschte, dass sie verheiratet wär
mit 'ner jungen Mohrrübe lieblich und gut
aus der Rüben alleradligstem Blut.
Und die Hochzeit kam.
Die Bewirtung war unbezahlbar gut;
sie kostete gar kein Geld,
sie leckten Mondschein und tranken Tau,
nahmen Blumenduft aus Wiese und Au
und Blütenstaub von Wald und Feld.
Die alte Mohrrübe grüßte mit einem Ruck
und sprach so viel und so lang;
die Worte, die glucksten kluck um kluck,
klein Mohrrübchen machte auch keinen Muck,
saß da so ernst und bang,
jung und schmuck.
Willst du's wissen genau,
frag die Grünwarenfrau.
Ein Rotkohl hat sie als Pfarrer getraut,
Braujungfern sind weiße Rüben;
Spargel und Gurke kam nach Belieben,
Kartoffeln standen und sangen laut.
Und es wurde getanzt von groß und von klein -
frag die Grünwarenfrau, sie sagt's dir allein.
Die alte Mohrrübe sprang ohne Strümpfe und Schuh,
hohei, da zersprang sie im Rücken,
und dann war sie tot, wuchs niemals mehr zu.
Die junge Mohrrübe lachte in Ruh,
so wunderlich kann es sich schicken.
Nun war sie Witwe, nun war sie froh,
nun konnte sie leben, huchheia hei ho!
In den Suppetopf sprang sie als Jungfrau hinein,
jung, froh, frisch und fein.
Willst du's wissen genau,
frag die Grünwarenfrau.