Das Kloster

Spiritwalk vom 07.08.2011

Tagesthema

Das Kloster - in welchen Räumen lebe ich

Um eine Antwort zu finden, kann es sinnvoll sein, sich einen Überblick über die eigenen Lebensräume zu verschaffen.

Welche Räume prägen das eigene Leben? Familie? Partnerschaft? Arbeitsplatz? Freunde? Religion? Freizeit? Stehen diese Lebensräume in einem ausgewogenen Verhältnis zueinander? Wieviel Zeit verbringen wir in welchem Raum? Manchmal kommt es unbewusst zu Schwerpunktverschiebungen. Es ist Zeit, sich selbst zu fragen, was im eigenen Haus zu kurz kommt bzw. zuviel Raum einnimmt. Letztendlich dürfen wir darüber nachdenken, wo erneut Schwerpunkte gesetzt werden.

Gleichzeitig wird es bei den Lebensräumen darum gehen, diese gut zu vernetzen, damit sie keine lose Ansammlung darstellen. Diese Vernetzung kann durch innere Kommunikation geschehen oder durch Gespräche im Außen. 

Von Zeit zu Zeit wird es dabei wichtig sein, dem ursprünglichen Sehnen, Idealen und Lebensplänen nachzuspüren und zu prüfen, inwieweit sie realisiert wurde oder nicht.

Ebenso ist es von Bedeutung, dass wir uns – sofern nötig - abgrenzen. Das ist der Sinn einer Klostermauer. So mag es bei einem vollen Terminkalender Wunder wirken, nicht noch einen Abendtermin anzunehmen, sondern Zeit mit sich selbst zu verbringen. Zugleich gilt es Zeiten, die anderen Lebensräumen, wie für das Essen reserviert sind, frei zu halten.

Punkta

  • In welchen Räumen lebe ich?
  • Ist mein Leben eine geschlossene Anlage oder eine Ansammlung verschiedener Lebensbereiche?
  • Was fehlt mir? Was habe ich verloren? Zu was will ich zurückfinden?
  • Welche Mauern brauche ich, dass mein Leben gelingt?
  • Wogegen muss ich mich abgrenzen, ohne zu mauern?

Tagesmärchen

Zwei Freunde und ein Bär

Zwei Freunde gelobten sich gegenseitig, sich in allen Fällen treu beizustehen und Freud und Leid miteinander zu teilen. So traten sie ihre Wanderschaft an.
Unvermutet kam ihnen auf einem engen Waldwege ein Bär entgegen. Vereint hätten sie ihn vielleicht bezwungen. Da aber dem einen sein Leben zu lieb war, verließ er, ebenso bald vergessend, was er kurz vorher versprochen hatte, seinen Freund und kletterte auf einen Baum. Als sich der andere nun verlassen sah, hatte er kaum noch Zeit, sich platt auf den Boden zu werfen und sich tot zu stellen, weil er gehört hatte, dass der Bär keine Toten verzehre.
Der Bär kam nun herbei, beleckte dem Daliegenden die Ohren, warf ihn mit der Schnauze einige Male herum und trabte dann davon, weil er ihn für tot hielt.
Sobald die Gefahr vorüber war, stieg jener vom Baume herab und fragte seinen Gefährten voll Neugierde, was ihm der Bär zugeflüstert habe?
"Eine vortreffliche Warnung", antwortete dieser, "nur schade, dass ich sie nicht früher gewusst habe."
Man solle sich nicht mit Menschen einlassen, die ihre Freunde in der Not verlassen.